Aktienrückkäufe reichen nicht aus

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam kämpft zunehmend verzweifelt um seinen guten Ruf.

Als Chef des Versicherers Prudential hat er seine Aktionäre mit üppigen Kursgewinnen verwöhnen können. Bei der Credit Suisse will ihm das einfach nicht gelingen. Allein in diesem Jahr hat die Aktie bereits über ein Drittel an Wert verloren.

Also greift Thiam zu einem bewährten Mittel, um die Investorengemeinde bei Laune zu halten: Aktienrückkäufe. Anlässlich des Investorentags am Mittwoch kündigte die Grossbank an, für das Jahr 2019 Aktien im Wert von «mindestens 1 Milliarde» zurückkaufen zu wollen, im besten Falle sollen es 1,5 Milliarden Franken sein. Ein ähnliches Programm stellt die Bank Anlegern für 2020 in Aussicht und erfüllt in diesem Punkt die Erwartungen von Analysten.

Die angekündigten Sonderausschüttungen dürften an der Börse aber bestenfalls für ein kurzes Strohfeuer sorgen. Eine grundlegende Neubewertung der Credit-Suisse-Aktie erreicht Thiam damit sicherlich nicht.

Investoren haben allen Grund, vorsichtig zu sein. Denn in den USA hat die Wirtschaft ihren Zenit längst überschritten. Die Sorge um eine Abkühlung in diesem wichtigen Markt hat auch die Aktien der US-Grossbanken leiden lassen.

Besonders schlimm hat es die Aktie der Credit Suisse erwischt. Denn ihr Investmentbanking hängt trotz aller Restrukturierungen noch wie Blei an den Ergebnissen. Wegen des Investmentbankings dürfte zum Beispiel die Region Asien in diesem Jahr weniger Gewinn ausweisen als im Jahr 2015 zu Thiams Antritt.

Die Handelssparte «Global Markets» bindet immer noch ungefähr so viel Kapital wie die hoch rentable Schweiz-Einheit und wird in diesem Jahr vermutlich sogar weniger als die Hälfte als noch 2015 verdienen. Doch beim Investmentbanking scheut Thiam vor weiteren Einschnitten zurück.

Die Sorgen der Anleger, dass eine globale Abkühlung das Investmentbanking der Credit Suisse stark treffen dürfte, wird Thiam mit einem Aktienrückkaufprogramm nicht aus der Welt schaffen. Hierzu muss er klar aufzeigen, wie die Bank in Zukunft über alle Sparten die Einnahmen steigern will. Doch darüber verliert die Mitteilung zum Investorentag kein Wort.