China: Chancen für mutige Gründer

Peking Park Avenue

 
 
 

China boomt. Das Reich der Mitte ist einerseits Konkurrent in Technologie und digitalem Fortschritt – andererseits auch ein wichtiger Handelspartner Bayerns. Regionalen Unternehmen eröffnet das auch Chancen im Land selbst.

Raubling – Als größter Markt der Welt bietet die Volksrepublik China vielfältige Chancen für Export und Import von Waren, aber auch für die Gründung einer eigenen Niederlassung oder eines Joint Ventures. „In Südostoberbayern wird jeder zweite Euro mit Export verdient, China spielt dabei eine große Rolle“, so Wolfgang Janhsen, Geschäftsstellenleiter der IHK Rosenheim. Er hatte interessierte Unternehmer zum Internationalen Frühstück mit Schwerpunkt China in die Prechtl-Akademie nach Raubling eingeladen.

Dass das Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern unter Hochdruck an seiner Strategie „Made in China 2025“ arbeitet und an seinem neuen Image als weltweiter Innovations- und Technologietreiber, machten zwei Referentinnen aus erster Hand deutlich:

Markt attraktiv trotz wachsender Hürden

Sabine Dietlmeier, Leiterin des Büros für deutsch-chinesische Wirtschaftsbeziehungen der Außenhandelskammer in Karlsruhe, und die internationale Anwältin Dr. Barbara Scharrer aus Bad Reichenhall, die seit über 20 Jahren deutsche Firmen bei ihren China-Aktivitäten berät und dort Standorte für eine deutsche Kanzlei aufgebaut hat.

Laut Dietlmeier hätten deutsch-chinesische Handelsbeziehungen in den vergangenen Jahren stark zugenommen – der wachsenden Regulatorik auf chinesischer Seite zum Trotz. „China verändert laufend seine wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Es wird also nicht leichter, Geschäfte dort zu machen. Der Markt bleibt für deutsche Unternehmen aber hoch attraktiv.“ Davon sollte man sich nicht voreilig blenden lassen, so Rechtsanwältin Scharrer. Ihrer Erfahrung nach überlegten zu wenige Unternehmen, welche strategischen Ziele sie mit China verfolgten: „Man sollte nicht in erster Linie an Umsätze denken. Oft wird im operativen Geschäft deutlich, dass sich die Unternehmensleitung in Deutschland mit falschen Vorstellungen auf den chinesischen Markt begeben hat.“

So sollte man die Entwicklungen im Land selbst im Blick haben, wie etwa die Pläne der Regierung, intensiv die Automatisierung vo ranzutreiben oder Infrastruktur- und Logistikinitiativen. Scharrers Tipp: „Erst mal intensiv über die eigene Strategie nachdenken, dann erst die Fachkräfte zu Hause mit Sprachkursen, Praktika und Seminaren in Business-Kultur vorbereiten. Noch bevor man dann beispielsweise auf einer Messe seine Produkte präsentiert, sollte man in China die eigene Wort- und Bildmarke schützen lassen, am besten auch in chinesischen Schriftzeichen.“

Chancen sieht AHK-Expertin Dietlmeier vor allem im Konsumgüterbereich („chinesische Verbraucher haben eine hohe Kaufkraft“), im Dienstleistungs-, Betreuungs- und Gesundheitssektor. Letzteres etwa aufgrund der breiten Bevölkerungsschicht der Senioren. „Außerdem boomen in China der E-Commerce und mobiles Bezahlen. Im Alltag wird kaum noch bar bezahlt.“

Nicht leichtgläubig auf Verträge setzen

Wer eigene Produkte in China absetzen wolle, könne dies als erstes über gängige chinesische Online-Verkaufsplattformen versuchen. Aber nur nach eingehender Recherche, warnte die Handelsexpertin, und legte nach, dass ernsthafte Geschäftstätigkeiten einer langen Anbahnung und genauester Information bedürften. Einer der häufigsten Fehler, die deutsche Firmen in China scheitern ließen, sei Leichtgläubigkeit: „Wer denkt, ein unterschriebener Vertrag sei verbindlich und das Geschäft damit besiegelt, der irrt.“

China verfüge zwar inzwischen über ein sehr gutes und modernes Rechtssystem, das sich an den gängigen westlichen Systemen orientiere, so Rechtsanwältin Scharrer, doch sie bestätigte auch: „In China zählen Beziehungen mehr als Regeln.“

Scharrer riet daher, in Verträgen mit chinesischen Partnern jedes kleinste Detail schriftlich fest zuhalten und wies darauf hin, dass im Rechtsfall kein Gerichtsstand in Deutschland helfe. Ein internationales Schiedsgericht mit Sitz in Europa oder ein chinesisches Schiedsgericht einzuschalten, sei dann ratsam.

Scharrer machte den Unternehmern Mut, sich nicht von etwaigen Risiken abschrecken zu lassen. Chinesische Partner fragten nach ersten Erfolgen meist schnell nach einer Niederlassung im Land. „90 Prozent deutscher Gründungen in China sind Tochtergesellschaften in der Rechtsform einer Limited, vergleichbar mit der deutschen GmbH.“ Sei dieser Schritt geglückt, gehe es erst so richtig los, vor allem Personalfragen beschäftigten Geschäftsführer in China (siehe Infokasten). „Aber alles andere, etwa nur ein Büro im Land, um den Fuß in der Tür zu haben, bringt Unternehmen nicht weit. Das wäre wie schwimmen, ohne nass zu werden.“