Soziale Netzwerke: Emotionen entscheidend für Verbreitung von Inhalten

Was geht viral? Für politische Posts in sozialen Netzwerken haben Forscher eine Antwort gefunden. Ein Ergebnis auch: Die hohe Reichweite beschränkt sich hauptsächlich auf Menschen mit ähnlichen Ansichten.

New York/Indiana (dpa) - Manche Posts mit politischem Inhalt gehen in sozialen Netzwerken viral, andere erzielen kaum Reichweite - warum? Wissenschaftler haben zur Klärung 560 000 Beiträge beim Kurznachrichtendienst Twitter analysiert. Ihr Ergebnis: Tweets mit moralisch-emotionalen Wörtern wie «Pflicht», «Angst» oder «Gier» erzielen eher eine besonders hohe Reichweite. Pro Wort aus dieser Kategorie würden sie bis zu 20 Prozent häufiger geteilt als Tweets mit vergleichbarem Inhalt ohne emotional-moralische Begriffe, berichten die Forscher in den «Proceedings» der US-nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS).

Politische Beiträge in sozialen Netzwerken könnten den Verlauf historischer Ereignisse beeinflusst haben, darunter die letzte US-Wahl und den Arabischen Frühling, erklären die Wissenschaftler um William Brady von der New York University. Deshalb sei es wichtig zu verstehen, warum sich welche Nachrichten besonders stark verbreiten.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf drei Themen, die in sozialen Netzwerken in den USA besonders kontrovers diskutiert wurden: Waffenkontrolle, Klimawandel und gleichgeschlechtliche Ehen. Sie analysierten die Tweets mit speziellen Wörterbüchern auf Begriffe hin, die sie entweder dem Bereich Moral (Wörter wie Pflicht) oder Emotion (Angst) zuordneten. Wörter wie Gier, die beide Anteile enthielten, kategorisierten sie als moralisch-emotional.

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TV: Kostenpflichtige Privatsender für Antennenkunden nützen übrigen Anbietern

Berlin (dpa) - Zahlreiche aktuelle Nutzer des terrestrischen Fernsehsignals DVB-T2 HD könnten einer Umfrage zufolge abspringen, wenn der Empfang privater Sender ab Juli kostenpflichtig wird. Über 14 Prozent hätten sich bereits für einen Wechsel auf andere Empfangswege entschieden, ergab eine Befragung von 2000 Haushalten in Deutschland, die der Branchenverband gfu am Montag veröffentlichte. 35,1 Prozent der Befragten seien unschlüssig, ob sie wechseln werden oder nicht.

Laut der Umfrage wollen 7,8 Prozent der Befragten zum Kabelfernsehen wechseln, 3,9 Prozent zum Satellitenfernsehen und 2,6 Prozent zum TV über das Internet. Rund jeder Zweite wolle dabeibleiben. Die Zahlen zeigten, dass die Zuschauer durchaus bereit seien, für bessere Bildqualität einen Mehrpreis zu akzeptieren, sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu. 

Mit dem neuen Standard lassen sich erstmals Hunderte Sender auch in sehr hoher Auflösung (Ultra-HD) per Antenne empfangen. Die Privatsender verlangen jedoch ab Juli eine Gebühr von 69 Euro im Jahr. Der Plattformbetreiber FreenetTV, der auch Settop-Boxen für den Empfang des digitalen Signals vertreibt, übernimmt die Abrechnung und Freischaltung. Insgesamt gibt es in Deutschland 3,4 Millionen Haushalte, die das TV-Signal terrestrisch empfangen, mehr als die Hälfte jedoch an ihrem Zweit- oder Drittgerät. FreenetTV erwartet, dass bis Jahresende mehr als 800 000 Kunden sich die künftig kostenpflichtigen Privatsender freischalten lassen werden.

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Stabile Ölpreise auch in den Sommerferien

Mit dem Start der Sommerferien können sich Autofahrer in diesem Jahr freuen: Die übliche Verteuerung des Sprits fällt vielerorts aus. Weitere Mineralöl-Erzeugnisse wurden zuletzt ebenfalls wieder billiger - nicht nur in Deutschland.

Berlin/Paris (dpa) - Verbraucher in Deutschland und weiteren Ländern Westeuropas profitieren von Preisrückgängen bei Benzin und anderen Ölprodukten. Im Mai wurden Super-Kraftstoff, Diesel und Heizöl laut Zahlen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wieder billiger. Zuvor waren sie seit Jahresbeginn im europäischen Schnitt etwas teurer geworden.

Für den deutschen Markt meldete die Organisation aus Paris bei Benzin (95 Oktan) einen Rückgang des Durchschnittspreises um 1,4 Prozent von April auf Mai. Verglichen mit dem Mai 2016 lag er aber 3,4 Prozent höher - damals war das weltweite Ölpreisniveau noch stärker abgerutscht. Diesel war in Deutschland laut IEA-Angaben im vergangenen Monat 2,0 Prozent billiger als im April, Heizöl sogar 4,7 Prozent.

Mit Blick auf die bevorstehende Reisewelle zum Sommerferien-Beginn können Autofahrer mit Entlastungen an der Zapfsäule rechnen. Der ADAC hatte jüngst berichtet, dass Benzin und Diesel derzeit so günstig seien wie seit Monaten nicht. Zuletzt kostete ein Liter Super E10 im Schnitt 1,33 Euro - 5 Cent weniger als vor acht Wochen. Ein Liter Diesel war mit 1,11 Euro für 7 Cent weniger zu haben. Heizöl hatte den niedrigsten Preis seit mehr als acht Monaten.

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Google: Mit künstlicher Intelligenz gegen den Terror

Internet-Konzerne wie Google, Facebook und Twitter stehen unter Druck, mehr gegen die Verbreitung von Terror-Propaganda im Netz zu unternehmen. Google kündigte nun eine Initiative an, die auf künstliche Intelligenz und menschliche Expertise setzt.

Mountain View/London (dpa) - Unter wachsendem Druck aus der Politik wollen Internet-Konzerne verstärkt künstliche Intelligenz im Kampf gegen terroristische Inhalte einsetzen. Nach Facebook kündigte dies am Wochenende auch Google an. Der Internet-Konzern werde dafür mehr Entwickler abstellen und seine modernste Technologie bei selbstlernenden Maschinen nutzen, erklärte Google-Chefjurist Kent Walker am Sonntag.

Damit sollen unter anderem bei der Videoplattform YouTube automatisch mehr Clips mit Terrorpropaganda aufgespürt werden. Auch die Zahl der Experten, die über als verdächtig markierte Videos entscheiden, werde stark erhöht, schrieb Walker in einem Beitrag in der Londoner Zeitung «Financial Times». Google setzt dabei auf «Trusted Flagger», das sind Einzelpersonen oder Organisationen, denen Google vertraut, wenn sie anstößige oder rechtswidrige Inhalte anzeigen. Das können auch Strafverfolgungsbehörden sein. In Deutschland gehören jugendschutz.net, das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Jugendschutz im Internet, sowie der Verein FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter) zu den «Trusted Flaggern».

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Banken: Peta und Greenpeace auf der Problemkunden-Liste?

Banken dürfen keine Geschäfte mit Terroristen oder Geldwäschern machen. Für Informationen nutzen sie Datenbanken wie World-Check. Doch die soll auch Unbescholtene als mögliche Risikokunden führen.

Berlin (dpa) - In der World-Check-Datenbank, mit der sich Banken weltweit gegen Geschäfte mit potenziell gefährlichen Kunden schützen, sollen auch viele unschuldige Menschen und Organisationen aufgelistet sein. Das hat eine Recherche von «Süddeutscher Zeitung» und NDR gemeinsam mit weiteren internationalen Medien ergeben. Die Journalisten hatten demnach Einblick in einen World-Check-Datensatz mit mehr als zwei Millionen Profilen aus dem Jahr 2014, auf den der amerikanische Sicherheitsexperte Chris Vickery vergangenes Jahr auf einem Internet-Server gestoßen war.

Die Daten offenbarten, dass viele der Aufgelisteten dort zu Unrecht stünden, berichten «Süddeutsche» und NDR. Profile seien teilweise fehlerhaft oder nicht auf dem neuesten Stand. Es seien Menschen und Organisationen dabei, gegen die ergebnislos ermittelt wurde oder die umstritten und unbequem sind, aber nicht kriminell. Als Beispiele wurden die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die Tierschutzorganisation Peta, die Umweltschutzorganisation Greenpeace oder Oppositionspolitiker etwa aus Sri Lanka und Eritrea genannt.

Personen und Organisation mit einem Eintrag bei World-Check müssen mit erheblichen Schwierigkeiten bei Bankgeschäften rechnen. Spendenfinanzierten Organisationen drohen Nachteile beim Einwerben der Mittel.

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Abschied von "Birne": Wie Helmut Kohl eine Generation prägte

Von Caroline Bock, dpa

Was passierte abseits der Weltpolitik in den 16 Jahren, in denen der Mann aus der Pfalz regierte? Ein Rückblick auf das Lebensgefühl der Ära Kohl.

Berlin (dpa) - Die Briten hatten Margaret Thatcher, die Deutschen Helmut Kohl. Eine ganze Generation ist zwischen 1982 und 1998 mit ihm aufgewachsen. In den 80er Jahren diskutierten deutsche Familien am Abendbrottisch über das Wettrüsten und Atomkraft, in den 90er Jahren über Ossis, Wessis und die Wiedervereinigung. Wenn man den Fernseher anschaltete, war einer immer da: Helmut Kohl.

Als Kohl noch nicht der «Kanzler der Einheit» war, hatte er wegen seiner Körperform den Spitznamen «Birne», besonders gepflegt vom Satire-Magazin «Titanic». Das nahm ihn immer wieder auf den Titel: «Birne muß Kanzler bleiben» oder «Wiedervereinigung ungültig - Kohl war gedopt».

Zu Kanzlerzeiten trug Kohl noch Brille und jene Strickjacke, die heute im Haus der Geschichte in Bonn aufbewahrt wird. Der gemütliche Pfälzer mit Vorliebe für Saumagen, das war das Klischee. Was für ein Temperament der CDU-Mann hatte, sahen viele erst, als er einmal in Halle auf einen Eierwerfer zustürmte.

Als cool galt Kohl bei den meisten jungen Deutschen in den 80er Jahren nicht. Wer bei der Jungen Union aktiv war, führte eher ein Randgruppen-Dasein: Das waren die Jungs mit Scheitel und Aktenkoffer mit Zahlenschloss. Später sang die Junge Union bei ihren Parteitagen: «Und wir haben ein Idol: Helmut Koooohl.»

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